Facebook, vergiss deine User nicht

Es ist noch gar nicht so lange her. Ein paar Jahre. Zehn um genau zu sein. Da nahm das soziale Netzwerk Facebook die mehr oder weniger bekannte Gestalt an. Zehn Jahre sind in manchen Bereichen keine lange Zeit, in der schnellebigen Internetzeit sind es hingegeben manchmal schon gefühlte Ewigkeiten.

“Facebook me” oder “Facebook mich” waren in den Anfangsjahren des Netzwerkes häufig gehörte Floskeln, wenn man Jugendlichen und Studenten zugehört hat. Facebook hatte es geschafft in die Kommunikationsgewohnheiten der SMS-lastigen Zielgruppe vorzudringen und sich zu etablieren.

Was hatte Facebook gemacht, das die Menschen das Netzwerk gerne benutzen?

Unter anderem wurde Facebook sicherlich auch verwendet, weil Facebook am Anfang einfach cool war. Facebook war kein Mainstream. Social Media als professionelle Dienstleistung wie heute, gab es damals noch lange nicht. Facebook war eine Plattform, auf der sich die Benutzer selbst darstellen konnten. Angefangen vom persönlichen Profil bis hin zu den Beiträgen. Es wurde dem Benutzer sehr leicht gemacht, andere zu finden und an deren Leben teilzuhaben.

Facebook Benutzer aus den ersten Jahren hatten nicht die Sensibilität die uns verschiedene Datenskandale und Negativbeispiele mittlerweile gelehrt haben. Die Benutzer posteten frei von der Leber weg alles, was ihnen so im Alltag begegnete und was sie erlebt haben. Angefangen vom zerknitterten Bild im Spiegel nach dem Aufstehen bis hin zu den komatösen Enden verschiedener Abendveranstaltungen.

Facebook gab dem Benutzer tolle Features

Die Plattform ermunterte Menschen, sich zu publizieren und stellte mit der Zeit immer bessere und einfachere Möglichkeiten zur Verfügung, um sein Leben mit anderen zu teilen:

2005 – Facebook Photos wurde vorgestellt. Benutzer konnten Fotos bei Facebook hochladen
2006 – Facebook wurde mobil verfügbar gemacht
2006 – Der Newsfeed wurde eingeführt
2007 – Videos konnten bei Facebook hochgeladen werden
2007 – Facebook Seiten wurden bereitgestellt
2008 – Facebook stellt den Chat bereit
2008 – Die iPhone App für Facebook wird bereitgestellt
2009 – Vorstellung des Like-Buttons
2009 – Facebook Benutzernamen wurden wählbar
2010 – Facebook “Questions” wurden eingeführt
2010 – Facebook Places werden eingeführt
2010 – Facebook führt neue Gruppen und Möglichkeiten ein
2010 – Neues Benutzerprofil ist verfügbar
2011 – Die Timeline wird eingeführt
2011 – iPad Version der Facebook wird bereit gestellt
2012 – Facebook kauft Instagram
2012 – Facebook Camera wird vorgestellt
2012 – Facebook “Geschenke” ist verfügbar
2013 – Facebook “Home” wird vorgestellt
2014 – Facebook Trends werden vorgestellt

Betrachten wir diese Liste, dann ist festzustellen, dass ab dem Jahr 2011 die Entwicklungen die direkt dem Benutzer zu Gute kommen, abgenommen haben. Statt selbst erfolgreich zu sein, wurde Instagram gekauft. Die Anwendung Facebook “Camera” wird mangels Erfolg eingestellt. Auch Facebook “Home” ist kein Erfolg.

Kommerzialisierung zu Lasten der Benutzerfreude

2012 geht Facebook mit viel Aufmerksamkeit an die Börse. Seitdem wurde keine sinnvolle Änderung bzw. funktionale Erweiterung mehr vorgestellt, die tatsächlich dem Benutzer mehr Freude bei der Benutzung mit Facebook verschaffen würde. Statt dessen wurden immer mehr und ausgefeiltere Werbemöglichkeiten etabliert die ihr Ziel auch nicht verfehlten. Facebook ist ein wachsendes, reiches Unternehmen und kann einen steigenden Börsenkurs vorweisen.

Doch wie sieht Facebook für den Anwender mittlerweile aus? [bctt tweet=“Wie sieht Facebook für den Anwender mittlerweile aus?“] Früher war es spassig bei Facebook reinzuschauen, weil Freunde Dinge mitteilten und lustige Bilder veröffentlichten. Heute ist der Newsfeed eine verkrüppelte Teilmenge der Inhalte die meine Freunde veröffentlichen. Facebook entscheidet, was ich zu sehen bekomme und was nicht. Es wird mit fadenscheinigen Argumenten versucht dem Benutzer zu erklären, warum das sinnvoll ist. Jeder kann sich selbst überlegen ob er sich der Argumentation, es wären zu viele Informationen, anschließen möchte oder nicht.

Was bleibt ist ein Netzwerk das entscheidet, was der Anwender sieht und liest.[bctt tweet=“Facebook ist ein Netzwerk das entscheidet, was der Anwender sieht und liest.“] Bei manchen Freunden muss man nachsehen ob sie noch leben, weil Facebook entscheidet was zu sehen ist. So entgehen dem Benutzer Beiträge.

Unternehmen müssen sich Reichweite durch Werbeanzeigen kaufen, die Möglichkeit der Kommunikation wird hier auf zahlungskräftige und -willige Firmen beschränkt.

User wollen Spaß haben

Facebook, vergiss Deine User nicht. User möchten selbst entscheiden, was sie lesen und was nicht. Und von wem und wie viel. Vor allem aber möchten User Spaß haben und was hast Du, Facebook, den Usern in den letzten Jahren spendiert, was mehr Spaß bringt? Anderes Design – eigentlich nicht so wichtig. Open Graph Search? Funktioniert sowieso nicht in allen Sprachen. Irgendein Feature welches jeder nutzen möchte? Fehlanzeige.

Andere Plattformen werden von Facebook gekauft, weil Menschen dort gerne interagieren und Spaß haben. Diese User bleiben genau genommen zwar im Facbeook Datenuniversum, dennoch sind aktive Instagram User nicht zwingend aktive Facebook User.

Der wirtschaftliche Aufstieg den Facebook hinter sich hat ist beispiellos und absolut großartig. Dennoch wäre es toll, wenn die Entwicklungen und Innovationen von Facebook sich nicht im Wesentlichen auf die Werbetreibenden konzentrieren würde. Denn ohne User die gerne mit dem Netzwerk interagieren wird die Werbung irgendwann auch von weniger Benutzern gesehen.

Facebook, Du bist mein liebstes Netzwerk aber vergiss Deine User nicht und gib Ihnen den Spaß zurück.

 

 

Torsten

Gründer und Inhaber der Internetagentur numero2, zertifizierter Social Media Manager und Social Media Enthusiast. Verfügbar auf (fast) allen Social Media Plattformen. Spezialist für digitales Marketing und Kampagnen.

Kommentare

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    • Hallo, Mirkos Artikel bezieht sich auf den Newsfeed. Meiner nicht ausschließlich. Meiner hinterfragt, welche Features Facebook für den User bereitstellt, die Spaß machen. Und da sehe ich Verbesserungsmöglichkeiten.

  • Die gefilterte Timeline war mit einer der Gründe, warum ich Facebook wieder verließ. Ich bekam sinnlosesestes Gedöns zu sehen, meistens von diesem Spiel damals, als ob mich das interessieren würde und als ob meine Freunde auf der Welt nur noch diese Spiele spielen würden.
    Was ich dank Facebook nicht sah, dass meine Freunde auch andere Sachen schrieben, interessante Sachen die mich wirklich interessierten. Das fand ich erst heraus, als ich direkt in deren Profilen herumstöberte.
    Aber Facebook war der Meinung, die Werbung für Facebook-Spiele und anderes Werbe-Zeugs hätte mich zu interessieren, statt dem was meine Freunde schrieben.
    Damit starb der Grund, warum ich in Facebook war.

    Mirkos Artikel trifft übrigens nichts, er hat es nicht begriffen. Selbst was er schreibt („…sondern sortiert nach (vermeintlicher) Wichtigkeit.“), scheint er nicht recht verstanden zu haben. Es gibt keine guten Gründe dafür, nur kommerzielle.
    Facebook ist anmaßend und überheblich.
    Mit dem Börsengang war mir klar, dass ab sofort der Shareholder Value Gedanke einziehen wird. Wie man an diesem Artikel von Torsten sieht, recht konsequent.
    Twitter wird das gleiche Schicksal erleiden, sie können die Finger nicht davon lassen.

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