Facebook übernimmt Whatssapp – (k)ein großer Deal

In der Nacht von 19. Februar auf 20. Februar ging es wie ein Lauffeuer durch Twitter: „Facebook kauft Whatsapp für 19 Milliarden US Dollar.“ – Erstaunen, Unglauben und Erschrecken war in den folgenden Kommentaren zu lesen.

Doch wie ist der Milliardendeal einzuordnen? Verfolgt Mark Zuckerberg hier eine mobile Strategie oder möchte er sich nur einer aktuellen Bedrohung entledigen?

Facebook kauft Whatsapp

Bereits 2012 hat Facebook den Fotodienstleister Instagram gekauft, weil dort eine interessante Userbasis zu finden war. Zudem hatte es Facebook nicht geschafft im Vorfeld die Fotobegeisterten mit eigenen Angeboten wie dem missglückten Poke auf seine Seite zu ziehen. In den letzten Wochen häuften sich die Meldungen, das Facebook gerade bei jüngeren Nutzern nicht mehr die Vorreiterrolle innehabe. Statt dessen wären alternative Dienste wie Whatsapp bei der jungen Zielgruppe beliebter.

Das erst 2009 gegründete Whatsapp wurde zu einer ähnlichen Bedrohung für Facebook, wie es Instagram gewesen war. In beiden Fällen wendete sich eine wichtige Zielgruppe von Facebook ab und anderen Plattformen zu.

Was nützt der Whatssapp Kauf Facebook?

Stellt man sich vor was mit Facebook, Instagram und Whatsapp gemeinsames geschaffen werden kann, dann fällt unweigerlich der Begriff „Monopol“. Facebook erlangt zudem weitere relevante Nutzerzahlen. Doch wozu? Da sowohl bei Instagram als auch bei Whatsapp die Anwendungen erhalten bleiben, werden diese Benutzer nicht direkt dem Facebook Datenuniversum hinzugefügt. Es ist denkbar, das Werbung auf den Plattformen geschaltet werden könnte – das wiederum passt in die konsequente Shareholder Value Ausrichtung seitens Facebook. Ein Return of Investment dürfte für Facebook erst zu erwarten sein, wenn die Facebook Userzahl von einer auf zwei oder drei Milliarden Nutzer gestiegen sein wird. Dazu müssen die unterschiedlichen Anwendungen jedoch datentechnisch auf eine Basis gestellt werden. Das ist eine große technische Herausforderung die nicht nur durch Geld lösbar sein wird.

Ausgleich eigener Schwäche.

Sowohl bei Instagram als auch bei Whatsapp konnte Facebook kleinere Mitbewerber nicht durch eigene, innovative Lösungen ernsthaft bedrängen. Versuche wie beispielsweise durch die App Poke oder den Facebook Messenger sind als gescheitert einzuordnen. Facebook entwickelt sich mehr zum betriebswirtschaftlich gesteuerten Wirtschaftsunternehmen als zum kreativen Innovationsmotor.

Kompensation von Innovationslosigkeit.

Facebook war innovativ als gestartet wurde. Das Prinzip war neu, einfach und machte den Menschen Spaß. In den ersten Jahren wurde Facebook mehrmals grundlegend geändert und verbessert. Heute selbstverständliche Elemente im Netz wie der „gefällt mir“ oder „teilen“ Button waren echte Innovationen. Auch das Timeline-Prinzip welches von nahezu allen relevanten Social Media Plattform Anbietern übernommen wurde kann als Facebook Innovation gelten.

Seit mehreren Jahren hat Facebook keine innovativen Dinge mehr für Benutzer gemacht. Oder zumindest nicht für alle. Unvollständige Rollouts durchaus interessanter Features wie der OpenGraph Search sind häufiger zu finden. Das geplante, neue Timeline Design wurde eingestampft bevor es publiziert wurde. Facebook hat es schwer im Moment. Zukäufe wie diese können das kaschieren. Eine Zeit lang.

Torsten

Gründer und Inhaber der Internetagentur numero2, zertifizierter Social Media Manager und Social Media Enthusiast. Verfügbar auf (fast) allen Social Media Plattformen. Spezialist für digitales Marketing und Kampagnen.

1 Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  • Eine Timeline ist nichts neues, jedes alte Chatprogramm hat das und im Prinzip haben auch klassische Foren das, in statischer Form.

    Was Facebook anders gemacht hat als ein Chat, ist die Personalisierung der Timeline. Die Timeline erscheint nun im eigenen Profil und wurde drastisch aufgebläht.

    Facebook, Twitter und Whatsapp sind lediglich die Weiterentwicklung von Chats und Foren.
    Praktisch könnte man ein klassisches Forum (wie z.B. vBulletin) ebenso gestalten, indem man die Forenthemen und -stränge der Nutzer ins Profil packt und die Interoperabilität der Nutzerfunktionen im Profil ausbaut.

Social Media Marketing Blog für Unternehmen

Informationen, wenn neue Beiträge erscheinen